Es ist Dienstag. Vor zwei Tagen bin ich in die Basketballmannschaft
der Uni aufgenommen worden und übermorgen ist das erste Mal Training.
Ich bin ja so was von aufgeregt…
Heute jedoch ist noch einmal Theater angesagt.
Gestern saßen Raven, Fiona und ich den ganzen Tag an dem Text und
der Melodie unseres neuen Stückes und heute wird es vorgestellt.
Ich bin schon ganz hibbelig, endlich kann ich wieder an mein heiß
geliebtes Schlagzeug.
„Hiiii!“ Kaum sind wir durch die Eingangstür des Theaters
gekommen, werden wir aufs Stürmischste von Kana begrüßt.
„Hi!“, grüßt Raven zurück, während Fiona
und ich Kana erst einmal über den Haufen knuddeln.
„Und? Habt ihr schon ein neues Stück? Ihr könnt euch gar
nicht vorstellen, wie gespannt wir alle hier schon sind! Endlich hört
man mal wieder etwas von euch!“
„Nun… Es ist noch nicht ganz fertig. Einige Teile des Stückes
müssen noch etwas… dramatischer gestaltet werden – zumindest
von der Musikuntermalung. Aber der Text ist fertig!“, erzählt
Fiona ihr.
„Echt? Jetzt schon fertig? Könnt ihr zaubern?“
Ne, das nicht, aber die Zeit anhalten. Tjaha, das kann manchmal winzigwenig
Zeit in einen ganzen Berg an Zeit verwandeln. Aber das braucht Kana ja
nicht zu wissen.
„Ja, der Text ist wirklich fertig, Kana. Willst du mal lesen?“,
fragt Raven.
„Klar doch! Juhu! Ich bin die erste!“
Kaum hat sie das gesagt und kaum wühlt Raven in ihrer Tasche, um
den Zettel zu finden, da stürmt auch schon Tenchi um die Ecke.
„Echt? Ihr seid schon fertig? Ich will’s auch lesen!“
Und prompt steht er neben Kana und schaut uns aus glänzenden Augen
an.
„Hm… Hier.“, sagt Raven endlich und überreicht
den Zettel mit unserem Text.
Eine kurze Weile ist es still in unserer Gruppe, dann schauen uns unsere
beiden Fans aus großen Augen an.
„Das ist perfekt!“, kommentiert Kana.
Tenchi fragt auch noch: „Wer hat das geschrieben?“
Ich zeige natürlich auf Raven und Fiona, aber die beiden Verräterinnen
zeigen sofort auf mich. Hey, von mir stammen doch nur die Ideen! Wer hatte
hier denn die Idee, das alles so anzuordnen?
„Ah, wie man sieht, seit ihr euch mal wieder einig, wie?“,
schmunzelt Kana.
In dem Moment kommt uns Frau Ishito entgegen.
„Ah, ihr seid schon da. Ich dachte es mir bereits, denn normalerweise
ist es hier vorne nicht ganz so laut.“ Sie zwinkert uns zu. „Und?
Wie weit seid ihr schon mit euren Stücken?“
„Nun, das erste ist bald fertig. Alle weiteren… Nun ja. Wir
brauchen noch ein paar Ideen und müssen uns da erst das Spiel der
Gruppe ansehen. Sonst machen wir noch irgendetwas romantisches, wo etwas
actionreiches hingehörte.“, erklärt Raven.
„Romantisch? Ihr?“, kommt es von den Dreien vor uns.
„Eh… ja?“, wende ich vorsichtig ein. Was soll denn so
besonders daran sein?
“Na das wäre ja mal etwas ganz neues. Aber nun gut, wir haben
euch ja auch schon ein ganzes Jahr nicht mehr gehört, also kann das
schon mal vorkommen. Hauptsache, ihr bleibt eurem alten Stil weites gehend
treu.“ Tenchi blickt uns streng an, aber in seinen Augen blitzt
es belustigt.
„Ach, das ist der Text, ja?“, fragt Frau Ishito und schnappt
Kana den Zettel aus der Hand.
„Ja, ist er.“, antwortet Kana an unserer Stelle.
„Er ist wirklich gut!“, ergänzt Tenchi.
Wieder entsteht eine Pause. Jeder ist gespannt, was Frau Ishito zu dem
Text sagen wird.
„Aber das ist ja…“, fängt sie an, „Das ist
ja fantastisch! Genau so habe ich es mir gewünscht!“
Sie knuddelt uns alle ein Mal und schiebt uns dann sachte in Richtung
Bühne.
“Das müsst ihr heute noch vorspielen! Das ist wahnsinnig toll!“
Na hoffentlich wird es wirklich so toll. Ich habe da so ganz arge Bedenken,
was unsere musikalische Untermalung dazu angeht, aber nun gut.
„Ishi? Sind unsere Gäste schon da?“, fragt da gerade
Herr Ishito die Treppe hinunter, als wie daran vorbeigehen.
Gäste? Wir sind doch bei den Proben, da werden normalerweise doch
keine Gäste zugelassen? Und… eh… Wir sollen nicht wirklich
vor Leuten spielen, die nicht zu unserer Gruppe gehören, oder? Aber
ich sage besser erst einmal gar nichts, dann bekommen wir vielleicht mehr
raus.
„Nein, Tsu, es sind bloß unsere Gremlins, die hier mal wieder
alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aber es ist noch früh und sie
haben ja gesagt, dass sie erst später kämen. Ist da oben denn
schon einigermaßen Ordnung, oder muss ich erst noch gucken kommen?“
Aha. Es sind also wirklich mehrere. Hm… Ganz wohl ist mir bei der
Sache ja nicht.
„Frau Ishito?“ Ich denke mal, ich frage doch lieber.
„Nein, ich sag nicht, wer es sein wird, Tiara.“ Sie zwinkert
mir schmunzelnd zu.
Raven und Fiona schauen nun Kana und Tenchi fragend an, aber diese zucken
auch nur mit den Achseln.
„Das ist wohl ein großes Geheimnis, wer da kommt. Bisher wissen
wir auch nur, dass jemand kommt und nicht, wer. Wir haben uns auch mal
umgehört, aber alles, was wir herausfinden konnten war, dass es wohl
vier Mädchen sind… Nun, ich denke, wir werden es noch früh
genug erfahren. Und wenn nicht: Von da oben gibt es nicht allzu viele
Ausgänge, wir versperren sie halt dann so lange, bis sie sich runtertrauen!“,
sprudelt es aus Kana heraus.
„Hmm… Mädchen… Endlich wieder ein paar mehr.“,
murmelt Tenchi da vor sich hin. Es war wohl etwas laut, zumindest stichelt
Kana ihm nun in die Seite. Armer Tenchi. Und schon liegt er wieder glucksend
auf dem Boden…
„Ich verabschiede mich dann mal, ihr wisst ja den weiteren Weg.
Ich muss noch die Kekse aus dem Ofen holen, ich will ja nicht, dass unsere
Gäste da oben verhungern.“ Und schon ist Frau Ishito in einem
der vielen Gänge verschwunden.
„Raven?“, fragt genau in dem Moment Fiona.
„Hm? Was denn?“, neugierig schaut Raven sie an.
Fiona grinst in die Runde. „Ich schleich mich mal hinter her, vielleicht
finde ich ja noch etwas mehr raus über unseren Besuch!“
Noch bevor wir irgendwelche Einwände hätten erheben können,
ist sie auch schon weg. Na gut, ist ja auch unser Wunsch, zu wissen, wer
dann da oben sitzen wird.
Hmm… Wenn sie wirklich da oben auf einem der Balkone sitzen werden,
müsste man doch theoretisch auch mal die Möglichkeit haben,
einen Blick auf sie werfen zu können, oder?
„Wir verabschieden uns dann auch mal!“, sagt Kana in dem
Moment.
„Hm?“ Und wieder wurde ich aus meinen Gedanken gerissen.
„Nun… Tenchi und ich haben kürzlich den kleinen Wettbewerb
um die Hauptrollen gewonnen, und…“
„WAS habt ihr? Echt?“, platzt es da aus Raven raus.
„Ehm.. Ja, haben wir?“ Tenchi schaut etwas durcheinander.
„Das ist ja klasse! Supi! Glückwunsch! Jetzt kann ja gar nichts
mehr schief gehen, wenn ihr schon vorne steht und spielt!“, sprudelt
es auch aus mir heraus. Die beiden in den Hauptrollen – besser hätte
es gar nicht kommen können.
„Doch, es kann schlimm kommen.“, ergänzt Tenchi da mit
ernstem Gesichtsausdruck.
Als Raven, Kana und ich ihn fragend anschauen, erklärt er uns knochentrocken:
„Wenn ihr die Musik vermasselt, ist das Stück im Eimer.“
Wir drei schauen uns an. Na warte, Tenchi.
„Kitzelattacke!“
Und schon stürzen sich drei Weiblichkeiten auf ihn und kitzeln ihn
zu Boden. Na warte, Gnade gibt es die nächsten zehn Minuten nicht!
Kurze zeit später stehen Raven und ich im Theatergraben und wischen
den Staub von unseren Instrumenten. Der große Flügel für
Raven ist zwar schon auf der Bühne aufgebaut – ein wunderschönes
Teil. Nachtschwarz lackiert, der wahre Traum -, aber die Geige für
Fiona muss noch gesucht werden und gefunden sein. Kann doch nicht so schwer
sein…
„Hast du sie schon?“, fragt Raven da in dem Moment.
„Ne… Und du?“
“Bei mir ist auch Fehlanzeige.“
Kurz darauf hört man es in ihrer Ecke rumpeln.
“Auaaa!“, schreit sie.
„Raven! Ist etwas passiert?“
“Nene, ist jetzt schon wieder gut. War mehr der Schock.“
„Was ist denn passiert?“
„Die Notenständer sind gerade allesamt umgekippt…“
“Na das wird die Leute vom Orchester freuen.“
“Ja, das befürchte ich auch. Hoffentlich ist da keiner von
zu Bruch gegangen…“
Zusammen stellen wir sie wieder auf. Heute muss unser Glückstag sein:
Es ist wirklich keiner kaputt gegangen – und das trotz ihres Alters.
Irgendwer hat mal gemunkelt, dass sie weit älter seien als Frau Ishito,
aber dann müssten die schon längst morsch sein.
„So… Das hätten wir.“, seufzt Raven.
Ich nicke bloß, aber das kann man in dieser Finsternis ja gar nicht
sehen. Ein Licht wäre hier echt angebracht… Wie machen das
die Musiker hier unten nur? Spielen die alles auswendig?
„Sag mal, Tiara…“
“Hm?“
“Hast du eine Idee, wer da heute kommt?“
“Ne, gar keine. Wieso fragst du?“
“Na zum Einen interessiert es mich schon und zum Anderen: Normalerweise
lässt Frau Ishito doch niemals zu, dass jemand während –oder
gar mitten in – der Probe zuschaut. Das lässt doch den Schluss
zu, dass es besondere Leute sein müssen, oder?“
“Nun, vielleicht sind es Sponsoren, die wissen wollen, wo sie ihr
Geld reinstecken?“
“Das glaubst du doch wohl selbst nicht. Unsere Liste von Sponsoren
hat schon eine Wartezeit, da ist es egal, was wir aufführen. Außerdem:
Deine Eltern sind ja Mitträger dieses Theaters, pleite können
wir also gar nicht gehen. Zudem kommt ja auch noch, dass wir sehr viel
Geld noch aus unserem letzten Stück übrig haben. Fünffache
Verlängerung… Damit können wir noch in einem Jahr die
Grundstücksmiete bezahlen.“
„Hm… Stimmt eigentlich…“
„Eben. Hoffentlich hat Fiona schon etwas herausgefunden.“
“Hey, ihr Lieben!“, kommt es da aus der Tür.
„Fiona? Bist du schon schlauer geworden?“
“Nee… Sie hat mich erwischt.“
War ja logisch. Beim spionieren ist Fiona meist so erfolgreich wie ein
Elefant beim Versteckspielen.
„Was sucht ihr hier unten eigentlich?“
„Na, die Geige, was denn sonst? Du hast sie doch das letzte Mal
mit runter gebracht!“
„Ehm… Ihr wollt mir jetzt nicht wirklich sagen, dass ihr denkt,
ich würde einfach mal so eine Geige für ein Jahr unbenutzt hier
unten liegen lassen?“
Ihren skeptischen Blick brauche ich dabei gar nicht zu sehen. Den kann
man jetzt förmlich heraushören.
„Aber…“, versucht Raven etwas einzuwenden. Ich halt
mich lieber raus, sonst bin ich gleich noch die ganz Dumme.
„Ach, Mädels. Was denkt ihr denn war das, wo ich die letzten
Tage drauf geübt habe? Und nicht nur die letzten Tage: Das komplette
letzte Jahr?“
„Eh…“, kommt es da von Raven und mir gleichzeitig.
Fiona seufzt einmal schwer.
“Na kommt, auf geht’s. Hast du deinen Text, Tiara?“
“Natürlich habe ich den!“
“Na, bei euch weiß ich jetzt nicht mehr so recht…“
„Fiona!“, empört sich Raven.
Oben angekommen, liegt die Geige auch schon auf dem Konzertflügel
und der Saal ist mit den Leuten unserer Truppe gefüllt.
Fühlt sich komisch an, mal wieder vor all denen zu spielen…
Hoffentlich bekomme ich meinen Text hin?
Glücklicherweise übernehmen die Jungs aus der Technik meinen
Part mit dem Schlagzeug. Irgendwie müssen wir da noch etwas ändern…
So ist das ja doof.
„Hör auf, so zu zittern!“, nuschelt mir Raven da zu.
Dankeschön. Musstest du mich da jetzt auch noch drauf aufmerksam
machen? Jetzt bin ich erst recht nervös…
Die Lichter gehen aus. Juhu! Dürfen wir wirklich im Dunklen spielen?
Dann sieht wenigstens niemand, wie ich am zittern bin…
Pustekuchen. Sogar nur ein Spot. Klasse, jetzt werden die ja gar nicht
mehr abgelenkt?
Warum bin ich eigentlich so verdammt nervös?
Ich hab doch gar keinen Grund!
“Pst!“
Ich dreh mich in die Richtung des Geräusches und schaue Fiona fragend
an.
„Das ist fies, jetzt kann man ja gar nicht mehr auf den Balkon schauen!“,
murmelt sie mir zu.
„Du schaffst das schon. Nur Mut!“, grinst Raven mich nun auch
an.
Einmal tief durchatmen.
Nein, lieber noch ein zweites Mal.
Inzwischen ist es vollkommen Still im Saal geworden.
Wie hab ich das damals ausgehalten?
Oje.
Raven fängt schon mit den Anfangsakkorden an.
Wo ist bloß mein Mikro?
Achja.
Direkt vor mir.
Ehem.
Joa, der Anfang darf sich hören lassen. Klingt hier auch gleich
viel besser als zu Hause. Naja. Hier ist ja auch die bessere Akustik.
Ok, los geht’s…
Traumtänzer
Jede Nacht stehe ich da
Warte auf dich
Ich halt’s nicht mehr aus
Wo bist du?
Jahre ist es her
Monate voll Schmerz
Stunden voller Angst
Augenblicke voller Hoffnung,
Dass du wiederkommst
Jede Minute der Gedanke
Jeder Tag ein Traum,
dass ich dich wieder sehe
dass ich dich in meinen Armen halte
dass du wieder bei mir bist
Traumtänzer
Jede Nacht stehe ich da
Warte auf dich
Ich halt’s nicht mehr aus
Wo bist du?
Jede Träne, die ich weine
nur für dich
Jeden Tag, den ich lebe
nur für dich
Warum zeigst du dich mir nicht?
Mein Traumtänzer
Mein glimmender Stern
Meine Morgensonne
Mein Grund zu leben
Vergiss mich nicht
Traumtänzer
Jede Nacht stehe ich da
Warte auf dich
Ich halt’s nicht mehr aus
Wo bist du?
Puh.
Geschafft.
Im ganzen Raum herrscht Stille.
Eh… Habe ich mich versungen?
Ihnen hat’s nicht gefallen, oder?
Auf einmal wird es laut.
Aua… Sehr laut.
Huch? Die sind ja begeistert?
„Tiara!!“, höre ich die ersten Rufe. Sofort landet auch
eine Rose vor meinen Füßen.
Und eine zweite.
Und noch eine.
Halt! Was soll ich denn mit den allen!
Und noch mehr.
Eijeh, ich bin doch nur mit Fahrrad!
Von dem Bühneneingang kommt Tenchi auf mich zu gerannt. „Tiara!
Das war bombastisch!“
Und schon hat er mich über den Haufen geknuddelt.
„Hey, hey, nicht so stürmisch!“, flehe ich, jedoch wohl
vergebens. Fängt er einmal an, hört der nicht so schnell wieder
auf.
Nun kommt auch Kana angerannt und knuddelt erst Raven, dann Fiona in Grund
und Boden. „Ihr wart klasse!“, wiederholt sie immer wieder.
Nun, wenn das so viele denken, wird es wohl so sein…
„Tiara?“ Nun steht auch noch Frau Ishito neben mir. Tenchi
lässt daher von mir ab – ist ihm wohl peinlich, so auf mir
drauf zu liegen – und stellt sich räuspernd neben mich.
„Was denn?“ Fragenden Blickes schaue ich zu Frau Ishito hoch,
während ich auch aufstehe.
„Ich hatte jetzt eher auf etwas… Anspruchloseres gewettet.“
Anspruchslos? Ich hab mich verhört, oder?
“Aber das hier war supiklasse!“
UAAAAA! Nun fällt sogar sie mir schon um den Hals? Was ist denn heute
los?
“Übrigens. Das anspruchslos darfst du wieder vergessen. Ich
wollte dich einfach nur schocken.“, teilt sie mir dann auch gleich
grinsend mit.
Aaaahja.
Na gut. Ihr kann ich irgendwie nicht wirklich böse sein.
„Übrigens. Unseren Gästen hat es auch gefallen.“,
klinkt sich nun Herr Ishito dazwischen.
Achja. Die Gäste…
„Nun, gefallen ist nicht das richtige Wort.“, kommt eine männliche
Stimme von hinter der Bühne.
Die Stimme kenn ich doch?
„Ehrlich gesagt sind wir vom Hocker gerissen.“, ergänzt
nun auch noch eine weitere bekannte Stimme.
Eh?
“Tiara, du warst einfach der Wahnsinn.“, schmunzelt Ren mich
an.
Halt, stopp.
Einen Moment mal.
REN?!
Und wieder fängt er an, zu lachen. Sasha neben ihm gluckst auch
und Andreas kringelt sich schon vor lachen.
Na, Dankeschön…
“Ehm.. .Was machen die eigentlich hier, Frau Ishito?“, fragt
Kana in die allgemeine Verwirrung hinein – denn die herrscht wirklich.
An Ravens und Fionas Gesicht kann ich gerade ablesen, wie meins wohl aussehen
sollte und ich denke, ich sollte schleunigst den Gesichtsausdruck ändern…
Die Anderen haben sich nun auch von ihren Sitzen begeben und stehen dicht
gedrängt vor der Bühne. Ein Raunen und Staunen geht durch die
Menge.
„Nun“, beginnt Frau Ishito, „Das sind unsere Gäste
– wie ihr ja schon mitbekommen habt. Sie hatten den Wunsch, sich
mal unser Theater anzusehen, da sie mit den Gedanken spielen, hier auch
mitzuwirken. Nun… Ich denke, ich verlange euch nicht zu viel ab,
wenn ich sage, dass ihr sie wie normale Mitmenschen behandeln sollt, oder?
Ich meine… Ok, sie mögen ja momentan total angesagt sein, aber
sobald sich hier irgendwelche Fanclubs auftun, werde ich keine Kuchen
und Plätzchen mehr für die Teepausen backen, haben wir uns verstanden?“
Einvernehmliches Nicken im Zuschauerraum. Auch bei uns auf der Bühne
sind wir damit einverstanden.
„Ok, dann kommen wir nun zu unseren Forderungen. Wenn wir sie wie
Normalsterbliche behandeln, dann gilt das auch für deren Aufgaben.
Keine Sonderbehandlungen, keine extra für sie geschriebenen Rollen,
sie müssen sich hier so einleben, wie jeder es von uns tut. Geht
das in Ordnung?“, streng schaut sie die drei Jungs an, diese nicken
auch sofort.
„Nun, dann herzlich willkommen in unserer gigantisch großen
Familie!“, begrüßt Frau Ishito die drei und fällt
jedem um den Hals.
Hihi – damit haben sie nun gar nicht gerechnet, wie? Ren liegt am
Boden, wie süß…
Ach, da Kana gerade bei uns steht…
„Kana?“, raune ich ihr zu.
„Hm?“ Sie schaut fragend zurück.
„Vier Mädchen, ja?“
„Eh…“
“Geh mal deine Quellen überprüfen…“
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